Eine neue Form des Priesteramtes

Juni 2016

„Keine Gemeinde ohne Eucharistie“ – darin waren sich alle 72 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Studientages der Pfarrerinitiative Deutschland einig. Diskutiert wurde eine neue Form des Priesterberufes für die einzelnen Gemeinden, die das möglich machen soll: Eucharistieleiterinnen und -leiter aus der Gemeinde, ehrenamtlich, verheiratet und im Team.

Es sei ein langer Weg dorthin, Gemeinden zu ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und eine Form der Leitung zu finden, führte Bischof Michael Wüstenberg aus Südafrika aus. Schon sein Vorgänger Fritz Lobinger hatte vor 30 Jahren in seiner Diözese Aliwal diesen Prozess begonnen. Mittlerweile werde die Mehrzahl der Gemeinden dort durch Teams von „Leaders“ geleitet, die mittelfristig auch für ein neues Priesteramt zur Verfügung stehen, führte der Bischof in seinem Vortrag aus (Foto).

„Auch in Deutschland macht eine Zusammenlegung von Pfarreien als Verwaltungseinheiten nur Sinn, wenn zugleich die einzelnen Gemeinden als überschaubare Beziehungsnetze lebendig sind und selbst Verantwortung für ihr Gemeindeleben übernehmen“ ist sich Pfr. Christian Ammersbach, Mitglied des Sprecherkreises der Pfarrerinitiative Deutschland und Organisator der Tagung sicher. Dazu gehöre auch die Feier der Eucharistie. Sie dürfe nicht davon abhängen, ob ein Priester bisheriger Form dafür verfügbar sei. Daher brauche es neben dem zölibatären hauptberuflichen Priester eine neue Form des Priesterseins. Die Pfarrerinitiative folge mit dieser Forderung der Bitte Papst Franziskus‘ an die Bischöfe: „Macht mutige Vorschläge!“ und wird die Ergebnisse der Tagung an die deutschen Bischöfe weiterleiten.

72 Priester, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten, sowie auch einige ehrenamtlich Engagierte aus 13 Diözesen waren der Einladung nach Würzburg gefolgt, darunter auch Vertreter der österreichischen Pfarrerinitiative und der Schweizer Pfarreiinitiative. Mit großem Interesse wurden auch Konsequenzen für die eigene Berufsrolle diskutiert. Künftig werde es vor allem Entdecker und Förderer von Talenten und Fähigkeiten der Gemeindemitglieder und Trainer und Begleiter der neuen Gemeindeleitungsteams brauchen. Welche Aufgaben künftig die bisherigen Pfarrer und pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einzelnen haben werden, müsse noch geklärt werden. Am Ende des Studientages stand jedoch die Übereinstimmung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Es ist höchste Zeit, sich auf den Weg zu machen und neue Gemeinde- und Eucharistieleitungsmodelle zu entwickeln.

Hintergrundinformationen liefert der Sonderdruck aus „Christ in der Gegenwart“ Nr. 42/2002 Nr. 42/2002

Anregungen zum Weiterdenken

Aufruf zur Selbstverpflichtung

Juni 2015

Ein Zeichen setzen für mehr Beteiligung des Volkes Gottes in der Kirche wollen die Mitglieder der Pfarrerinitiative Deutschland. Daher rufen sie alle Priester und Diakone auf, sich über kirchenrechtliche Bestimmungen hinaus zu einer neuen Praxis zu verprflichten. Den Wortlaut der Erklärung und die Möglichkeit zu zeichnen finden Sie hier

PAPST FRANZISKUS, SIE BRAUCHEN LEBENDIGE GEMEINDEN UND DIE GEMEINDEN BRAUCHEN SIE!

Mai 2015

Immer mehr Zusammenlegungen von Gemeinden können nicht die Zukunft der Kirche sein. Zahlreiche Pfarrerinitiativen und Reformgruppen auf der ganzen Welt wenden sich deshalb in einem offenen Brief an Papst Franziskus. Lesen sie ihn hier

Eine neue Ära mit Papst Franziskus

April 2015

Katholische Pfarrerinitiativen und Reformgruppen aus aller Welt trafen sich im April zu einer gemeinsamen Konferenz im irischen Limerick. Über 30 engagierte Katholikinnen und Katholiken, darunter viele Priester, aus Irland, Österreich, Australien, Kanada, Deutschland, Indien, Italien, Großbritannien, aus der Slowakei sowie aus den USA folgten der Einladung der irischen Priestervereinigung ACP.

Tony Flannery brachte als Sprecher der gastgebenden "Irish Association of Catholic Priests" die Motivation aller Anwesenden auf den Punkt: "Die Wahl Papst Franziskus' ist für lange Zeit die letzte Chance für eine Erneuerung der Kirche."

Besondere Betroffeneheit herrschte angesichts der Angst mancher Teilnehmenden vor Repressionen durch ihre Bischöfe. Aus Rücksicht auf sie wurde daher darauf verzichtet, Eucharistie in einer Weise zu feiern, in der die fundamental gleiche Würde von Mann und Frau durch eine entsprechende Verteilung der gottesdienstlichen (Leitungs-)Aufgaben zum Ausruck kommen sollte. Dieser schmerzliche Verzicht machte umso mehr die von allen Anwesenden empfundene Dringlichkeit deutlich, den Zugang zu allen kirchlichen Ämtern Gläubigen unabhängig von ihrem Geschlecht zu ermöglichen.

Einig waren sich weiterhin alle über die mangelhaften kirchenrechtlichen Regelungen zur Ausübung kirchlicher Leitungsgewalt: Gefordert wurde eine Pflicht zur Rechenschaftsablage für alle Glieder der kirchlichen Hierarchie sowie die Schaffung von Grundrechten aller Kirchenmitglieder, die sie vor unabhängigen kirchlichen Gerichten auch einklagen können.

Weitere Themen waren die volle Beteiligung aller am kirchlichen Leben unabhängig von ihrer geschlechtlichen Orientierung und die Herausforderungen durch soziale Ungerechtigkeiten und die ökologische Frage. Arbeitsgruppen werden zu einzelnen Themen weiterarbeiten.

Die Konferenz in Irland war nach dem Treffen vor gut zwei Jahren im österreichischen Bregenz das zweite dieser Art.

Rechte in der Kirche oder: Hat die Kirche immer Recht?

März 2015

Das Kirchenrecht bietet den Bischöfen mehr Möglichkeiten als sie in vielen strittigen Punkten einräumen. und für den Einzelnen ist es kaum möglich, sein Recht in der Katholischen Kirche einzuklagen. Zu diesen Ergebnissen kamen die Teilnehmer der Tagung „Rechte in der Kirche oder hat die Kirche immer Recht?“.

Frau Prof. Dr. Sabine Demel ging in ihrem Vortrag darauf ein, dass das kirchliche Gesetzbuch sowohl den Klerikern wie auch den Laien Rechte und Pflichten einräumt, und ein viel größerer Spiel- und Entscheidungsraum vorhanden ist als von der Kirchenleitung in Rom, Bischöfen und deren Diözesanleitungen in strittigen Punkten oft behauptet wird. Dieser Spielraum besteht zum Beispiel bei Wiederverheiratet Geschiedenen, denn das kirchliche Gesetzbuch (Can 915) spricht lediglich vom Ausschluss derer von der Kommunion, die sich in schwerer Sünde befinden, nennt aber nicht ausdrücklich die Wiederverheiratet Geschiedenen.

Im kirchlichen Gesetzbuch gibt es eine Gewaltenunterscheidung, die mit der Staatlichen Gewaltenteilung vergleichbar ist. Diese Gewaltenunterscheidung wird aber nicht konsequent durchgehalten, sodass letztlich keine Rechtssicherheit gewährleistet ist. So wurde bei der Tagung angemahnt, dass es für den Einzelnen kaum möglich ist, sein Recht einzuklagen. Es fehlt eine Gerichtsbarkeit in jeder Diözese, eine freie Wahl von Rechtsanwälten, Einsicht in die Akten und eine klare Trennung der Gewalten.

Herr Dr. Thomas von Mitschke-Collande ging in seinem Vortrag: „Eigentlich müsste Kirche boomen“, darauf ein, dass die Katholische Kirche ihre glänzenden Voraussetzungen verspielt hat und verspielt. Statistiken belegen, dass die Katholische Kirche immer weniger Vertrauen genießt, selbst unter engagierten Katholiken. Die Katholische Kirche hat viel zu bieten in Bezug auf Sinnfrage, Spiritualität, Werteorientierung und Gemeinschaft. Viele nehmen es der Kirche aber nicht mehr ab, dass sie in diesem Bereich Expertin ist. Mitschke-Collande ist davon überzeugt, dass die Impulse die Papst Franziskus setzt zu Veränderungen in der Kirche führen werden. Dabei nannte er unter anderem eine offene Gesprächskultur und mehr Möglichkeiten der Mitbestimmung.

Die Tagung endete mit einer Selbstverpflichtung der anwesenden Pfarrer zu mehr Demokratie in der Pfarrei. Anwesend waren 30 Teilnehmer aus verschiedenen Diözesen Deutschlands. Eingeladen hatte die Pfarrerinitiative Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Fortbildungsinstitut Würzburg.

Priester rufen US-Bischöfe zu Änderungen beim Zölibat auf

Feb 2015

Washington, 04.02.2015 (KAP) Ein Zusammenschluss katholischer Priester in den Vereinigten Staaten hat die US-Bischofskonferenz zum "Dialog" über die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt ermuntert. Wie die Zeitschrift "National Catholic Reporter" (Onlineausgabe) berichtet, begründete die Organisation mit nach eigenen Angaben rund 1.000 Priestern ihren Wunsch mit der Sorge um personelle Engpässe in der Seelsorge.

Der Vorsitzende der "Association of U.S. Catholic Priests", Bob Bonnot, sagte der Zeitschrift, sein Verein erwarte keine direkte Antwort der Bischöfe; er hoffe aber, dass sie das Anliegen unter sich zum Gesprächsthema machten. Die zwölf Unterzeichner aus dem Leitungsgremium des Vereins verweisen auch auf Äußerungen des Papstes, die sie als Offenheit für verheiratete Geistliche deuten.

Ausdrücklich bezieht sich der Appell der Priester auf ein Interview mit dem aus Vorarlberg stammenden Amazonas-Bischof Erwin Kräutler aus dem Frühjahr 2014. Laut der Zeitung "Die Presse" sagte Kräutler damals nach einer Audienz bei Papst Franziskus, dieser habe um "mutige und couragierte" Lösungsvorschläge der Brasilianischen Bischofskonferenz für die Seelsorge der Zukunft gebeten. Ein Vorschlag, so Kräutler, werde sein, "dass man Zölibat und Eucharistiefeier entkoppelt".

Der Vatikan dementierte Anfang Jänner Spekulationen, wonach Franziskus einen Brief mit entsprechenden Anregungen an den brasilianischen Kardinal Claudio Hummes geschickt habe. Auch Kräutler dämpfte im Anschluss an sein Interview Spekulationen über aktuelle Reformen. Er selbst, Kräutler, arbeite nicht an Vorschlägen zum Thema Priesterweihe von Verheirateten.

Nach Angaben der "Association of U.S. Catholic Priests" sind in den USA aktuell rund 38.300 Priester für 76,7 Millionen Katholiken zuständig; 1978 seien es mehr als 58.000 Geistliche für 50 Millionen Katholiken gewesen. Derzeit seien 3.500 Pfarren ohne eigenen Priester.

Was wird aus den Gemeinden?

Nov 2014

Die Einzelgemeinden zu stärken wird ein zentrales Anliegen der deutschen Pfarrerinitiative sein. Darin waren sich alle Priester und Diakone einig, die aus sieben deutschen Diözesen zu einem Studientag nach Stuttgart gekommen waren. Deutliche Kritik übten die Mitglieder der Pfarrer-Initiative, dass alternative Lösungsmodelle wie die Leitung von Gemeinden durch Laien oder die Feier von sonntäglichen Wortgottesdiensten in etlichen Diözesen wieder zurückgefahren wurden. Die Presseerklärung im Wortlaut finden Sie hier

D-A-CH-Vernetzung gestärkt

Okt 2014

Deutschland, Österreich und die Schweiz - Pfarrer- bzw. Pfarreiinitiativen gibt es in allen drei deutschsprachigen Ländern. Beim jüngsten Vernetzungstreffen in Stuttgart zeigten sich bei allen Besonderheiten viele gemeinsame Anliegen und Themen. Zentral für uns alle ist das Anliegen der Solidarität unter Priestern, Diakonen und Seelsorgern: gemeinsam für eine zukunftsfähige Kirche eintreten statt Einzelkämpfer sein. Für den Austausch untereinander wurden Skype-Konferenzen vereinbart. Die stärkere Vernetzung zwischen den Initiativen soll eine schnellere Reaktion auf aktuelle Anlässe ermöglichen. Wir erwarten uns von einem größeren Informationsfluss neue Impulse. Gespannt schauen wir z.B. auf das Aktionsbündnis "Pfarren mit Zukunft – statt XXL-Gemeinde", das sich im Januar in Wien formieren wird. In Deutschland geht die Vernetzung der Bistümer weiter beim gemeinsamen Studientag im November. Weltweit steht ein Treffen der Pfarrerinitiativen im April 2014 in Dublin an.

Unterstützung der Kölner Kircheninitiative

Nov 2013

Die Pfarrerinitiative Deutschland unterstützt die „Kölner Kircheninitiative“ und ihr Anliegen, bei der anstehenden Bischofswahl die Kirchenbürger einzubeziehen. Dies entspricht nicht nur altchristlichen Überlieferungen und trägt zu einer guten Beziehung zwischen den Gläubigen und ihrem Bischof bei, sondern wäre auch Ausdruck der Anerkennung der Würde aller Getauften und ihrem Anteil am priesterlichen, königlichen und prophetischen Amt Jesu Christi... Hier die Stellungnahme komplett als PDF-Datei


Gehorsam braucht Beziehung

Nov 2013

"Wann ist ein Priester ungehorsam?" Unter diesem Thema fand die erste größere Tagung der Pfarrerinitiative in Kooperation mit dem Fortbildungsinstitut der Diözese Würzburg statt. Knapp 40 Priester aus ganz Deutschland folgten der Einladung nach Münsterschwarzach. Die wichtigsten Ergebnisse sind zusammengefasst in einer Presseerklärung


Erklärung zu Finanzen und Bischofsernennungen

Okt 2013

Die Situation in Limburg ist Anlass für eine Presserklärung der Pfarrerinitiative zur Frage nach dem transparenten Umgang mit Finanzen und zur Frage nach der Bischofswahl. Die Erklärung im Wortlaut


Initiative weltweit vernetzt

Okt 2013

Irland, USA, Australien - neben den deutschsprachigen Ländern waren zwei weitere Kontinente vertreten beim ersten internationalen Vernetzungstreffen der Pfarrerinitiativen in Bregenz. Ein erstes Medienecho finden Sie hier:


„Nicht bloß im Papstkino zuschauen!“

Okt 2013

Ein starker Impuls, die Zukunft der Kirche selbst in die Hand zu nehmen, ging vom ersten internationalen Treffen der Pfarrerinitiativen aus. Peter Hinsen SAC, Mitglied der deutschen Delegation berichtet. mehr


Impulse aus Bregenz

Okt 2013

Keine Beschlüsse, sondern eher Gedankensplitter aus aus Gesprächen in Bregenz hat das deutsche Delegationsmitglied Christian Ammersbach zur weiteren Diskussion zusammengestellt. mehr


Erster Sprecherkreis auf Bundesebene gewählt

Juli 2013

Die Reformkreise von Priestern und Diakonen der (Erz-)Diözesen Augsburg, München, Passau, Rottenburg-Stuttgart und Würzburg haben sich nun auch formell zur "Pfarrer-Initiative Deutschland" zusammengeschlossen. Zum ersten Sprecherkreis auf Bundesebene wurden Christian Ammersbach (Diözese Würzburg), Albert Bauernfeind (Erzdiözese München-Freising), P. Peter Hinsen (Diözese Augsburg), Karl Feser (Diözese Würzburg) und Klaus Kempter (Diözese Rottenburg-Stuttgart) gewählt.

Die einstimmig verabschiedete Verfahrensordnung sieht vor, dass über die Mitgliedsgruppen hinaus auch Priester und Diakone weiterer deutscher Bistümer Einzelmitglieder werden können. Erarbeitet wurden Anliegen zur anstehenden Kurienreform, die in einem Brief Kardinal Marx als Mitglied der vom Papst hierfür eingesetzten Kardinalsgruppe übermittelt werden.

Schwerpunkte der nächsten Zeit werden die Vernetzung im deutschsprachigen Raum und zwei größere Veranstaltungen sein. Noch in diesem Jahr es wird eine Tagung zum Thema "Wann ist ein Priester ungehorsam?" und Anfang des kommenden Jahres eine Veranstaltung zum Thema "Bischofsernennungen" geben. Beim Katholikentag 2014 in Regensburg ist ein eigener Stand der Pfarrerinitiative geplant.


Bischöfe, stoppt das neue Messbuch!

Juni 2013

In einem Brief an die deutschen Bischöfe hat die Pfarrerinitiative dazu aufgerufen, das geplante neue Messbuch noch zu verhindern. Den Brief im Wortlaut finden Sie hier.

Drohung aus Rom

Feb 2013

Die römische Glaubenskongegration hat dem irischen Priester Tony Flannery die Exkomunikation angedroht. Das sagte Flannery laut der Tageszeitung "Irish Times". Der 66-jährige Geistliche aus dem Orden der Redemptoristen wurde demnach vom Vatikan aufgefordert, Aussagen über eine mögliche Zulassung von Frauen zum Priesteramt zu widerrufen.

Weiter wurde er ermahnt, jede Verbindung zur "Association of Catholic Priests" zu lösen. Bereits im Februar vergangenen Jahres war Flannery von seinen priesterlichen Aufgaben entbunden worden. Der Redemptoristenorden, dem Flannery seit 1964 angehört, stellte sich auf die Seite des Geistlichen. Zugleich beklagte die Ordensleitung fehlende Dialogstrukturen in der Kirche, um sich mit Fragen seitens der Gläubigen auseinanderzusetzen (Quelle: Würzburger Katholisches Sonntagsblatt Nr. 5 vom 3.2.2013)

Filmbeitrag im ORF

ausführlicher Bericht


Glaubwürdigkeit, Menschennähe und Bürgerrechte

Jan 2013

Aus acht deutschen Bistümern, sowie aus Österreich und der Schweiz kamen erstmals 30 Pfarrer und Diakone und eine Pfarreileiterin in München zusammen, um ihren gemeinsamen Anliegen als Pfarrer- bzw. Pfarreiinitiativen eine Stimme zu verleihen und sich im deutschsprachigen Raum zu vernetzen.

In einer Presserklärung setzen sie sich ein für Glaubwürdikeit in der Pastoral, eine menschennahe Seelsorge und für Bürgerrechte in der Kirche.

Die Mitglieder der Pfarrer- und Pfarreiinitiativen stehen dazu, dass sie beispielsweise Wiederverheiratet-Geschiedenen die Kommunion nicht verweigern oder Christen anderer Konfessionen eucharistische Gastfreundschaft gewähren. Um einer glaubwürdigen Pastoral willen dürfe das oftmals jahrzehntelange Praktizierte nicht mehr länger nur im Verborgenen geschehen.

Sie sehen in der Schaffung pastoraler Großräume keine geeignete Antwort auf den sogenannten Priestermangel. Nicht vom Priester her seien Gemeinden zu definieren, sondern von der Vielfalt der Charismen aller Christen. Gemeinden müssen überschaubar sein, um eine menschennahe Seelsorge zu ermöglichen. Hierfür seien neue Möglichkeiten der Gemeindeleitung zu praktizieren, die nicht auf auf die bisherige Priesterrolle beschränkt sein darf.

Nicht nur völlig unzeitgemäß, sondern auch nicht im Sinne der Botschaft Jesu werden die absolutistischen Strukturen der römisch-katholischen Kirche gesehen, in denen beispielsweise ein Bischof eine unkontrollierte Machfülle besitzt. Dringend geboten seien Transparenz und Bürgerrechte, die für alle gelten.

Der dringenden Handlungsbedarf wird aktuell wieder sichtbar in der Art und Weise, wie die Kirchenleitung gegen den Sprecher der irischen Pfarrerinitiative vorgeht (s. Artikel oben). So wird auch eine Solidaritätserklärung in Kürze folgen.

Die Vernetzung untereinander soll es in Zukunft gerade in solchen Fällen Bischöfen oder vatikanischen Behörden schwerer machen, einzelne Seelsorger unter Druck zu setzen. Noch in diesem Jahr soll die Vernetzung auch über den deutschsprachigen Raum hinaus intensiviert werden.


Presseerklärung vom 25.01.2013

Jan 2013

Presseerklärung des Vernetzungstreffens der deutschsprachigen Pfarrer- und Pfarreiinitiativen am 25.01.2013 in Heilig-Geist, München

  • Wir stehen ein für ein ehrliches Wahrnehmen der Lebenssituationen der Menschen und für Glaubwürdigkeit kirchlicher Praxis. Deshalb benennen wir, was wir tun, auch wenn es im Widerspruch zu derzeitigen kirchenamtlichen Weisungen steht.
  • Die Lebendigkeit der Gemeinden vor Ort ist für uns ein großer Wert. Deshalb sind wir gegen die Schaffung großer pastoraler Räume als Antwort auf den sogenannten Priestermangel. Wir setzen uns für andere Formen von Kirchesein im Lebensraum der Menschen ein. Die Vielfalt der Charismen muss zur Geltung kommen unabhängig von Stand, Geschlecht und sexueller Orientierung. Oberstes Ziel ist eine menschennahe Seelsorge im Geiste Jesu.
  • Wir sind gegen die derzeitigen absolutistischen Strukturen in unserer Kirche und setzen uns für Bürgerrechte und Transparenz in der Kirche ein. („Ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, Eph 2,19)

Deshalb haben wir uns im Deutschsprachigen Raum und international vernetzt, weil die Situation in der Kirche und in der Gesellschaft uns dazu drängt. Wir fordern die Bischöfe auf, sich im Sinne der Reformanliegen ebenfalls zu vernetzen.


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Wir freuen uns auf alle, die unsere Sorgen teilen und bereit sind, mit uns nach neuen Wegen zu suchen.

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